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Ein Buch aufschlagen

Ohne Verfallsdatum - so hieß die Führung durch das Magazin der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, bei der es viel Interessantes zu entdecken gab.

 

Diese Bibel ist 1603 in Wittenberg gedruckt worden. Heute werden die schmucken Scharniere an den Seiten sehr behutsam geöffnet. Doch die Fürsten, die sich in der damaligen Zeit ein solches Buch leisten konnten, sollen mit der Faust in die Mitte des Buchdeckels gehauen haben, damit es aufsprang. Man vermutet, dass die Redewendung ein Buch aufschlagen darauf zurückgeht.

Mit Hilfe eines modernen, digital unterstützten Systems werden die Bücher und Medienpakete nach der Größe archiviert. Wird eines herausgenommen - zum Beispiel weil ein Leser ein Exemplar für den Lesesaal anfordert - muss die kleine Stellvertreterpappe entsprechend beschriftet und in die Lücke gestellt werden. So ist immer nachvollziehbar, wo sich ein Buch gerade gefindet. Im Magazin werden aber unter anderem auch aktuelle Landkarten von Brandenburg in zwei verschiedenen Maßstäben aufbewahrt. Exemplare von Zeitungen und Zeitschriften sowie der behördlichen Veröffentlichungsblätter.

Die Achivierung alter Bücher ist unter anderem auch deshalb sehr aufwändig, weil die besagten Fürsten die Bücher selbst und nach eigenem Gusto binden ließen. Das bedeutet nicht nur, dass das gleiche Buch in den unterschiedlichsten weil individuell gestalteten Umschlägen daherkommen kann. Man hat damals auch willkürlich binden lassen, sobald eben genug Lesestoff zusammengekommen war. Und so kann es sein, dass die Bibliothekarin einen Folianten vor sich liegen hat, der drei grundverschiedene Bücher enthält. Z. B. eine Rechtsvorschrift, eine Abenteuergeschichte und eine Naturschilderung.

Verschickt wurden die zwar gebundenen doch nur mit einer Schutzpappe versehenen Buchblöcke übrigens in kleinen Holzfässern. Darin waren sie während des Transports gut geschützt.

Da es im Winter zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, es mir mit einem schönen Schmöker und einem guten Glas Rotwein im Lesesessel gemütlich zu machen, hat mir diese Anekdote besonders gut gefallen. Und ich stelle mir vor, wie die Fürstin zu ihrem Gatten sagt: Komm Liebster, lass uns heute Abend doch mal zwei kleine Fässchen aufmachen ...

 

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Fotos alle: Marion Gretzler, Anne Riebel, mit freundlicher Genehmigung der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam

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ANNE RIEBEL

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