
In seinen Gedichten tritt Kosegartens poetischer Überschwang besonders hervor. Er kommt zu dem Grundduktus der damaligen Zeit noch hinzu; die Ausdrucksweise zwischen Empfindsamkeit (innerhalb der Aufklärung) und Romantik war ja viel klingender, schwingender und gefühlspräziser, als unsere heutige vernunftgeprägte Sprache.
Ganz verloren, ganz versunken, in Dein Anschaun, Lieblingin, beginnt eines seiner Gedichte, in dem er das Gendern vorwegnimmt.
Bei der Lektüre dachte ich manchmal an eine Buttercreme-Marzipantorte, zu der noch ein extra Schlag Sahne gereicht wird. Doch das Ganze dankend abzulehnen hätte ich nicht übers Herz gebracht, weil zwischen den üppigsten Schichten dann doch wieder so wunderbare, zauberhafte, tröstliche Zeilen auftauchen. Deshalb habe ich mir erlaubt eine sehr freie Auswahl zu treffen und zu tun, was dem guten Kosegarten so gar nicht gemütlich war, nämlich auch mal den Bimsstein und die Feile anzusetzen, um Kosegartens ursprünglichen Schöngeist auch heutigen Leser*innen zugänglich zu machen.
Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich neben den digital verfügbaren Originalen auch das äußerst ansprechende Bändchen: Flüstern Stimmen, gaukeln Träume – Romantische Rügen-Gedichte von Prof. Dr. Horst Langer (Antiquariat). Viel Freude beim Lesen und Schwelgen!