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Lyrisches Epitaph

(c) Gisela Waechter - Buchcover
(c) Gisela Waechter - Buchcover

Dass Gisela gestorben ist, weißt du? Wie ein kalter Guss kommt mir der Satz aus der E-Mail einer lieben Bekannten entgegen. Vor einigen Jahren waren wir gemeinsam in einem Autorenkreis aktiv ... Nun gehöre ich nicht mehr zu den Menschen, die lautstark beklagen, dass man sich aus den Augen verloren hat. So ist nun einmal das Leben. Gisela hat das auch so gesehen und mir liebevoll erklärt, damals als Wolfgang Merck gestorben war. Sie hatte mich angerufen, um es mir zu sagen. Er war ein begnadeter Maler und Illustrator, ein hochkluger Mann. Ich hatte ihn länger nicht mehr besucht. "Das ist jetzt nicht wichtig", sagte sie in mein schuldbewusstes Jammern hinein. "Wir dürfen dankbar sein, dass wir ihn kannten."

Und das bin ich auf jeden Fall. Sehr dankbar, dass ich die beiden kennenlernen durfte. Heute verstehe ich, was Wolfgang gemeint hat, als er ob meiner grenzenlosen Bewunderung seiner Zeichnungen nur abwinkte: "Wenn Du das nicht kannst, hast Du halt noch nicht richtig hingeguckt!" Durch ihn habe ich verstanden, dass es in der Kunst auch um Disziplin und Konzentration geht, und es eben nicht immer nur Spaß macht. Die beiden haben mir geholfen meine allererste Lesung im Kulturhaus vorzubereiten. (Wolfgang zu einer bereits gekürzten Fassung: "Das muss noch viel mehr gekürzt werden!" Gisela: "Ja. Aber das ist schwer, man hängt an jedem einzelnen Wort.") Und zu dritt haben wir dann in verteilten Rollen gelesen.

In einen gemeinsamen Himmel möchte ich mir die beiden denken; ich stelle ihn mir wie eine riesige Bibliothek vor. Dort sitzen sie in der Cafeteria bei einem Tässchen Manna. Vielleicht ist Gisela aber auch gerade bei den von ihr so sehr geschätzten englischen Dichtern. Wir haben einmal eine Lesung dazu gestaltet; ich sehe sie noch genau vor mir sitzen, Shakespeare und Wordsworth vortragen. Meine Aussprache korrigieren. Ein anderes Mal referierte sie über die nordischen Götter. In solchen Momenten, die mir innere Räume geöffnet haben, kam die begeisterte und motivierende Lehrerin wieder in ihr durch.

Ich gebe ihren Namen im Internet ein, weil ich mich frage, ob die Beerdigung schon stattgefunden hat. Und ob ich hingehen soll, wenn nicht. Das alles fühlt sich für mich nicht stimmig an. Ich will die Suche gerade wieder zuklicken, als mein Blick auf den Eintrag eines Online-Antiquariats fällt.

 

Gisela Waechter - Ein Dutzend Unterwegsgeschichten

Umschlagsbild und Illustrationen Wolfgang Merck

 

So schnell habe ich noch nie ein Buch bestellt. Und jetzt liegt es hier, wird meine Erinnerungen an die beiden, meine Dankbarkeit wachhalten und einen Ehrenplatz im Regal bekommen. Sie loszulassen ist natürlich trotzdem sehr traurig und schmerzhaft. Doch wenn es zu schwer wurde, zu große Fragen aufkamen, manchmal eine fast schon verzweifelte Stimmung um sich greifen wollte, pflegte Gisela zu sagen: "Ich kann die Hände falten. Das hilft mir."

Zwei Geschichten aus dem Buch habe ich ausgewählt und eingescannt ...  Viel Freude beim Lesen!

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Ein Dutzend Unterwegsgeschichten - Auszug
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