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Ein Sehnsuchtsort

So nennt es mein Mann. Ein Herrgottsfleckchen ist es für mich: Das Jostal im Schwarzwald und insbesondere der dort so malerisch gelegene wie liebevoll geführte Griesbachhof. Ich könnte auch sagen: "Ein Ort mit gutem Feng Shui". Und würde ich es so beschreiben, schaute mich wahrscheinlich niemand irritiert an. Doch ich hänge nun einmal an diesen schönen alten Wörtern.

 

Vor zwei Tagen sind wir zurückgekommen. Wenn ich morgens aufwache, habe ich die frische würzige Luft, mit einem Hauch von Heu und Kuh noch in der Nase. Und die aufgeregten Pfeiftöne des selten gewordenen Hausrotschwänzchens im Ohr. Nur die Stille ist hier nicht so dicht. Und mir dämmert, dass ich zu Hause bin. Mich wieder in das richtige Leben, meinen Alltag hineinfinden muss.

 

Bald wird mein dritter Krimi - Dunkelfelder oder ein bitterer Abgang - hier eintreffen. Und wieder muss ich an den Hof denken, an die gemütliche Ferienwohnung mit ihrer im besten Sinne stubenhaften Einrichtung. Letztes Jahr saß ich auf der Bank vor dem Kachelofen, während mein Mann lange (für mich ohnehin zu anstrengende) Wanderungen unternahm. Ich starrte in meinen Laptop, versuchte zum wiederholten Mal, endlich das auszudrücken, was mir auf der Seele brannte. Ohne ... ja, was? Zu krass, zu hart, zu böse zu sein? Wasch mich, aber mache mir den Pelz nicht nass? Die meisten Menschen assoziieren Kunst - egal in welcher Form - mit einem Gefühl von grenzenloser Freiheit. Vielleicht weil es auch in unserem Grundgesetz steht. In Artikel 5 heißt es: Kunst und Wissenschaft ... sind frei. Doch dort, wo die Kunst entsteht, bin ich genauso an den roten Faden des Lebens gebunden, wie alle anderen auch. Und meine Bücher empfinde ich ein bisschen so wie Kinder. Geistige Kinder eben. Sie kommen zwar aus dem Kopf, doch sie bringen alle etwas mit. Der Dunkelfelder hatte mir von Anfang an das Messer auf die Brust gesetzt: Friss oder stirb!

Und da saß ich nun, mit schmerzendem Nacken, allein in der Wohnung Im Heustock unter dem riesigen Dach dieses alten Schwarzwaldhauses, während der Bauer draußen seine Kühe auf die Weide trieb. Und mir die Worte meiner Lektorin in den Ohren hallten. Es ist ein guter Plot, aber es fehlt die Tiefe. Und wir wissen, dass Sie das können!

 

In diesem Jahr - die letzten Korrekturen am Dunkelfelder hatte ich kurz vor unserer Abreise losgeschickt - habe ich meinen Platz am Kachelofen auch wieder eingenommen. Um morgentliche Meditationen und endlich auch wieder Briefe und Postkarten an alle Lieben zu schreiben. Doch was für ein Glück, dass sich inzwischen ein Lesesessel zum Mobiliar hinzugesellt hatte! Nach wunderschönen, zwei- bis dreistündigen Wanderungen konnte ich mich genussvoll meiner Lektüre widmen. Erholung pur!

(c) Anne Riebel
(c) Anne Riebel

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