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Sanfter Mut oder das Geheimnis einer Bucket-List

„Hast Du auch eine Bucket-List“, fragte mich meine Nichte; es war irgendwann im letzten Jahr. Ich öffne eine kleine Flasche Bischoffingen Pinot Rosé trocken, der Korken fährt mit einem wohl-klingenden Plopp heraus und ich sehe zu, wie sich dieser fein moussierende Sekt schäumend ins Glas ergießt.

 

Meine Nichte ist Anfang zwanzig und ich finde es einfach wundervoll, dass sie nicht die Augen verdreht, wenn sie mir – was ziemlich häufig vorkommt – einen für sie total geläufigen Ausdruck erklären muss. Dieser komme aus dem Englischen To kick the bucket und heißt auf Deutsch so viel wie den Löffel abgeben. Auf einer Bucket-List stehen somit all die Dinge, die man im Leben noch tun und erreichen will. Dabei ginge es aber weniger um Karriere, Ehrgeiz und all sowas, sondern um Träume, Freude, Erfahrungen ...

 

Nun habe ich in meinem Leben ja schon ziemlich viele verrückte Dinge gemacht. Und darüber im Laufe der Zeit herausgefunden, dass ich nun einmal eine Bücher-Närrin bin. Bücher zu kaufen (dieser druckfrische Geruch!) und zu besitzen, Bücher zu sammeln und zu ordnen, in ihnen zu versinken. Darin etwas entdecken! In Schriften und Sprachen schwelgen. Sich selbst etwas beibringen. Bücher aufzustöbern in Bibliotheken und Antiquariaten. Sie zu verschenken und sich darüber unterhalten. Bücher zu schreiben. Zu lesen und vorzulesen …

 

Das Lesen ist mir dabei am allerwichtigsten und seit es auf dieser unsichtbaren Liste ganz oben steht, habe ich mir schon die eine oder andere zusätzliche literarische Mußestunde gegönnt. Im diesem Frühjahr musste auch ich einen Großteil meiner Lesungen absagen oder verschieben. Nachdem ich mich zwei größeren Rechercheprojekten gewidmet hatte, fiel mir auf, dass es noch einen weiteren Punkt auf meiner Bucket-List gab.


"Sanfter Mut"

Gedichte und Balladen mit vielen farbigen Illustrationen

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

und Lesebändchen, 192 Seiten

ISBN 978-3-7526-0679-9

Selbstverlag über BoD Hamburg, 25 €



Schon lange hatte ich davon geträumt, einmal einen illustrierten Lyrikband herauszubringen. Dass ich inzwischen seit über zwanzig Jahren Gedichte schreibe und seit zehn Jahren zeichne, wurde mir erst klar, als ich mir ein paar Stunden Zeit nahm, um mich etwas intensiver mit meinem lyrischen und bunten Schuhkarton zu beschäftigen. Bis dahin hatte es sich so angefühlt als hätte ich gerade erst damit angefangen! Und dann gab es diesen für Künstler so typischen Moment, da ich dachte: Das hat doch keinen Sinn! Es ist ein einziges Chaos. Ich sollte das alles durch den Shredder jagen und in die Altpapiertonne stecken … Das war an einem Montag, mittags um zwölf. Bevor mich dieser gewisse Sog packte, den ich vom Krimischreiben kenne. Nachts um zwölf hatte ich ein ungefähr 140-Seiten-starkes Manuskript auf dem Rechner. Die Struktur des Buches hatte sich ganz von selbst ergeben und am nächsten Tag fügten sich die Bilder genauso organisch ein.

 

Und nun – ein paar arbeitssame Wochen später - liegt er vor mir: Mein erster Lyrik-Band. Sanfter Mut. Er tröstet mich darüber hinweg, dass ich jetzt hier sitze, zu Hause an meinem Schreibtisch, statt auf Usedom Urlaub zu machen. Er erinnert mich daran, wieder genauer hinzuschauen und hinzuspüren. Achtsamer zu sein, bei allem, was ich tue. Und er flüstert mir leise zu, dass wir vielleicht öfter und auch in vielen anderen Punkten unserer Jugend zuhören sollten.

 

Der Jahrgangssekt ist aus einem Spätburgunder Qualitätswein gemacht, der auf Vulkanfelsen gereift ist. Vielleicht der Ursprung dieser feinperlig-fruchtigen Lebendigkeit. Und ich genieße ihn, indem ich in Gedanken einen Toast ausbringe, auf meine Nichte, auf all die anderen wunderbar klugen, engagierten, charmant-empathischen Wesen dieser Generation. Und natürlich auf den Sanften Mut.

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